Verdampft nochmal…

Vom Raucher zum Nichtraucher zum Dampfer

Eigentlich habe ich es geschafft. Meine letzte Zigarette liegt mehr als 10 Jahre zurück. Ich habe zwar zwischenzeitlich zwei, vielleicht dreimal darüber nachgedacht, ob es meiner inneren Ruhe vielleicht gut tun würde, mal wieder hier und da eine gechillte Zigarette zu rauchen, aber jeder dieser Versuche wurde mit starkem Unwohlsein danach, sowie einem gewissen Ekel vor dem Geruch von kaltem Rauch wieder zunichte gemacht. Also spare ich in den letzten 10 Jahren eine Menge Geld und ertrage mehr oder weniger stillschweigend die Rauchergemeinde um mich herum, ohne mich wieder eingemeinden zu lassen.

Eigentlich…
Bis letzte Woche…
Denn „eigentlich“ ist…
Wie man gemeinhin so schön sagt…
Die klassische Verneinung des Rheinländers…

Denn letzte Woche kommt meine bessere Hälfte auf die tolle Idee, das rauchen von Zigaretten einzustellen und statt dessen auf die E-Zigarette umzusteigen. Also hören wir uns ein wenig um und recherchieren in den unendlichen Weiten des Internet, um etwas über Sinn und Unsinn eines solchen Ansinnens zu erfahren. Tatsächlich stellt sich heraus, daß das sogenannte dampfen um Längen “gesünder” ist als der Konsum von Zigaretten und dazu noch deutlich preiswerter, wenn man von der Investition eines Einsteiger-Sets im Gegenwert einer Stange Zigaretten mal absieht. So weit, so gut, der Entschluss ist gefasst und wie heisst es doch so schön: „Versuch macht kluch“ ;).

Also ziehe ich am nächsten Tag nach der Arbeit los, um in einem Geschäft in Köln, welches sich auf E-Zigaretten nebst Zubehör spezialisiert hat, nach einer wirklich tollen Beratung ein solches Set (bestehend aus 2 dieser E-Zigaretten samt dazugehöriger Akkus und Ladegerät, ein paar Fläschchen Liquid und einem kleinen Vorrat Verbrauchsmaterial) zu erstehen. Diese sogenannten Liquids werden in der E-Zigarette verdampft, erzeugen also den “Rauch” und sind in unzähligen Geschmacksrichtungen erhältlich. Für den Anfang kaufe ich “Tropical Fruit”, “Waldfrucht”, “Vanillepudding” und “Erdbeer Sahne”, allesamt mit einem geringen Nikotingehalt, entsprechend einer light-light-light Zigarette, also kaum der Rede wert.

Toll an so einem “Einsteiger-Set” ist, daß dort zwei Geräte vorhanden sind, damit man auch schön weiter dampfen kann, wenn der Akku des einen Gerätes mal an das Ladegerät muss.

Dumm dagegen ist, daß ich so fürchterlich neugierig bin und die Sache unbedingt auch mal selber ausprobieren muss. Also fülle ich mir das Vanille-Liquid ins zweite Gerät, lade den Akku auf und nehme beides am nächsten Tag mit zur Arbeit. 

Und es kommt, wie es kommen muss… 

Es ist einfach nur lecker und es hat was wirklich chilliges, einfach so vor sich hinzudampfen. Dazu kommt, daß man die E-Zigarette, einmal angefangen, nicht zu Ende rauchen muss, sondern immer mal wieder ein/zwei Zügen nehmen kann, wenn einem gerade danach ist. Auch fällt dampfen (noch) nicht unter das Nichtraucherschutzgesetz, da im ausgeatmeten Dampf keinerlei schädlichen Stoffe nachzuweisen sind. Natürlich spricht dieser Umstand einen nicht davon frei, auf die Befindlichkeiten seiner Mitmenschen zu achten, zum Beispiel wäre dampfen in einem Restaurant oder in öffentlichen Verkehrsmitteln für mich undenkbar, ebenso würde ich, egal an welchem Ort, nicht einfach weiter dampfen, wenn mir jemand signalisieren würde, daß er sich dadurch gestört fühlt.

Nun denn, es gefällt mir also, ergo brauche ich wohl mein eigenes “Gerät”. Leider spielt mir nun “das Kind im Manne” einen gehörigen Streich, denn mit einem Einsteigerpaket kann “Mann” sich natürlich nicht zufrieden geben. “Mann” braucht es komplizierter, “Mann” braucht die Bestätigung, über jegliche noch so komplizierte Technik zu obsiegen. “Mann” braucht im ersten Schritt zumindest einen regelbaren Akku, an dem man Volt bzw. Watt und möglichst auch noch das Wetter von morgen einstellen kann. Dazu gehört natürlich auch ein gescheiter Verdampfer, nach Möglichkeit einer, in dem man die Heizspule selber wickeln und wechseln kann. Einfach nur ein Verdampfermodul zu wechseln, daß ist doch was für Mädchen :-P.

Also ziehe ich wieder los um diesmal „was Anständiges“ für mich zu kaufen und werde auch relativ schnell fündig. Der regelbare Akkuträger ist zu einem moderaten Preis sofort lieferbar, auch ein einfacher Verdampfer ohne große technische Herausforderungen ist für relativ kleines Geld im Regal. Die technische Herausforderung, ein sogenannter Selbstwickel-Verdampfer, ist da schon die erste preisliche Hürde, kostet er doch alleine schon mehr als die anderen beiden Geräte zusammen. Für’s erste lasse ich ihn also im Regal zurück. Trotzdem kostet meine Erstausstattung schon mehr als das doppelte eines “normalen” Einsteigersets. Auch ist das nur eine Zusammenfassung meiner ersten Tage als Dampfer, alle meine Eskapaden hier einzeln aufzuführen, würde jetzt wirklich zu weit führen.

In Kurzform:
Ich bin mittlerweile stolzer Besitzer von zwei regelbaren Akkuträgern nebst Akkus und Ladegerät, zwei Verdampferköpfen für Mädchen und natürlich einem Verdampferkopf für Männer, den ich, wie der Zufall es will, zwei Tage später von einem netten Arbeitskollegen erstehen kann, kaum gebraucht und zur Hälfte des originalen Preises. Den muss ich dann natürlich abends erstmalig selber „wickeln“, was mich zwar Stunden meiner Lebenszeit, eine gehörige Portion Nerven, ein halbes Pfund Biowatte für den Docht und meterweise Heizdraht kostet, aber am Ende gehe ich als Sieger aus dieser Challenge hervor, sprich es dampft wie Hulle und der Geschmack übertrifft locker alles, was ich bisher aus den anderen Verdampfern gesaugt habe.

Apropos Geschmack… Seit gut drei Tagen bin ich nun auf dem Trip, daß man die Liquids doch eigentlich viel besser selber mischen könnte. Zum einen hat man dadurch viel mehr Einfluss auf den Geschmack, zum anderen kostet es dann nur noch rund ein Viertel dessen, was man für fertige Mixturen ausgibt. Auch kann man den Nikotingehalt viel feiner abstufen und ist nicht auf die festen Werte der Fertigliquid-Lieferanten angewiesen.  Eine erste Lieferung mit den dafür benötigten Sachen wie Basisliquids, jede Menge Aromenproben, ein paar Messbecher und Plastikspritzen zum dosieren und ein paar kleine Fläschchen zum befüllen sind bereits auf dem Versandweg und werden mich mit ein wenig Glück noch vor dem Wochenende erreichen. 

Ich freue mich jetzt schon wie ein kleines Kind auf das Paket, so wie ich mich als kleiner Junge auf meinen ersten Chemiebaukasten von Kosmos Weihnachten 1970 gefreut habe. Ok, der wurde damals am ersten Weihnachtstag gleich wieder von meinen Eltern einkassiert, nachdem ich damit die halbe Küche in Schutt und Asche gelegt hatte, aber ich verspreche, diesmal wird es  besser laufen :-).

So, liebe Leser, daß war also eine Zusammenfassung meiner ersten Woche als Dampfer. Wie man unschwer lesen kann, habe ich Feuer gefangen und mein Wunschzettel wächst von Stunde zu Stunde. Ein weiterer Kopf mit dem wohlklingenden Namen „Flash-E-Vapor V3“ und ein weiterer Akkuträger mit mehr Leistung sind bereits in Planung aber glücklicherweise derzeit nicht lieferbar. Da die edleren Sachen in der Regel wohl nur in Kleinserien hergestellt werden, habe ich wohl noch etwas Zeit, mir das Geld vom Munde abzusparen ;-). Vielleicht werde ich dann wieder was darüber schreiben und vielleicht werde ich das ein oder andere Rezept hier veröffentlichen, wenn mir mal ein Liquid besonders gut gelungen ist.

In diesem Sinne, man liest sich…

-twi-

Veröffentlicht von

Extrem-Gadgeteer, Netaholic, Musik- und Serienjunkie, Politik(er)verdrossener, Genussmensch und bekennender Fleischfresser ;)

4 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Es ist ein Genuss dich zu lesen. Aber zum Dampfen bringt es mich nicht. Ist wohl auch besser so. Gruß Martin

  2. Als du anfangs von ‚Selbstwickerverdampfer‘ schriebst, dachtenich, du machst nen Witz…
    Feiner Text, Stanislaus :-)